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Besuch der Meerforellenbrutanlage in Lauenbrück / Wümme

7. Januar 2006

Am Samstag den 07.01.06 hatten wir die Gelegenheit, die Meerforellenbrutanlage der Arbeitsgemeinschaft “Wiederansiedlung von Lachs und Meerforelle im oberen Wümmegebiet” der Anglervereine Lauenbrück, Fintel und Westervede zu besuchen. Die Arbeitsgemeinschaft ist hier bereits seit 23 Jahren mit der Wiedereinbürgerung von Lachs und Meerforelle beschäftigt.

Bei klirrender Kälte trafen sich einige Mitglieder der SAV, einschließlich der Jugendgruppe, mit Ralf Gerken, Jens Engelken und weiteren Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft. Vom Treffpunkt in Lauenbrück fuhren wir dann gemeinsam an die Ruschwede, einen Nebenbach der Wümme. Dort wurde mit dem Elektrofischfanggerät nach laichreifen Meerforellen gefischt.

Während der Befischung konnten wir ein Laichbett besichtigen, das im Herbst von der Arbeitsgemeinschaft angelegt worden ist. Hier laichen Meerforellen ab, was anhand vorhandener Laichgruben nachzuweisen ist.

Trotz des späten Termins am Ende der Laichzeit wurden in diesem Abschnitt zwei Meerforellenweibchen (Rogner) und ein Männchen (Milchner) gefangen.
In jeder Saison kommen ca. 300-400 Meerforellen zum Laichen hierher.
Die Fische wurden anschließend in das Bruthaus verbracht.

Nachdem sie in einem Betäubungsbad zur Ruhe kamen, wurde ihnen der Laich abgestreift. Leider war das vorhandene Männchen nicht laichbereit, so das wir das befruchten der Eier “nur” bei einer Bachforelle beobachten konnten. Aufgrund der Betäubung bekommen die Fische diesen Vorgang nicht mit, so dass sie nach ihrer anschließenden Freilassung wieder die Laichbetten aufsuchen und dort eine Pseudolaichung vornehmen, bevor sie sich wieder auf den Weg ins Meer machen.
Die befruchteten Eier werden dann in frischwasserdurchspülten Schüsseln gelagert, um sie zu jeder Zeit ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen.

Die Eientwicklung dauert ca. 400 Tagesgrade. Die Jungfische verbleiben nach dem Schlüpfen noch im Bruthaus, bis der Dottersack aufgebraucht ist und sie in der Natur auch das Kiesbett verlassen würden. In jedem Jahr werden hier ca. 220 tausend Meerforelleneier erbrütet.

Die abgestreiften Laichfische, die sich schnell erholt haben, wurden abschließend wieder in die Freiheit entlassen.

Nach ca. 3 Stunden waren wir mit der Aktion durch. Alle Beteiligten aus der Arbeitsgemeinschaft waren sehr auskunftsfreudig, so das wir mit einer Menge neuer Informationen nach Haus fuhren.

Es ist möglich, diese Führung in der nächsten Laichsaison (Winter 06/07) zu wiederholen. Wenn aus den Reihen unseres Vereines hier Interesse besteht, melden Sie sich bitte bei mir.

Die Arbeitsgemeinschaft ist auch froh über jeden Helfer, der beim Aussetzen der Brütlinge hilft. Terminlich fällt diese Tätigkeit voraussichtlich in den März.

Begriffserklärung

Brutanlage
Anlage, in der befruchtete Fischeier unter kontrollierten Bedingungen schlüpfen können, bis die Jungfische reif genug sind, um in geeignete Gewässer entlassen zu werden.
Der Wirkungsgrad einer Brutanlage ist sehr viel höher als beim Aufwuchs in freier Natur, d.h. es überleben wesentlich mehr Jungfische.
Dieser Aufwand ist nötig, da die Anzahl der zur Vermehrung geeigneten Habitate und der zurückkehrenden laichbereiten Fische (noch) nicht hoch genug ist, um eine sichere natürliche Vermehrung zu gewährleisten.

Elektrofischfang
Fische werden mit elektrischem Strom betäubt, so dass sie dem Gewässer entnommen werden können. Bei richtiger Anwendung ist diese Methode sehr schonend.

Laichbetten
In der Regel ist der Gewässergrund der Heidebäche von Natur aus in weiten Bereichen steinig-kiesig. Das Lückensystem zwischen den einzelnen Steinchen ist Lebensraum für eine große Anzahl an Tieren (Makrozoobenthos, Muscheln). Aber auch viele Fische (Koppen, Forellen, Äschen) legen in dieses Lückensystem ihre Eier hinein, damit sie sich vor der Strömung geschützt entwickeln können. Im Zuge von Unterhaltungsarbeiten am Gewässer (Ausbaggern) wurde dieser Kies großräumig entfernt, so dass er heute ersetzt, d.h. unter hohem Aufwand wieder eingebracht werden muss.

Laichgruben
Meerforellen und andere “forellenartige” Fische (Salmoniden) schlagen mit heftigen Schwanzbewegungen Kies aus dem Untergrund und türmen so mit Hilfe der Strömung Hügel auf. In die davor entstandene Grube legen sie ihre Eier, die dann vom männlichen Tier befruchtet werden. Nach dem überdecken der Eier mit einer weiteren Kiesschicht verbleiben sie im Kieslückensystem, bis die jungen Tiere weit genug entwickelt sind, um ihre Kinderstube zu verlassen.

Tagesgrade
Salmonideneier reifen in Abhängigkeit von der Wassertemperatur. Daher nutzt man den Begriff Tagesgrade. Mit ihnen lässt sich der Zeitpunkt des Schlüpfens abschätzen. Die Anzahl der benötigten Tagesgrade ist das Produkt aus der Wassertemperatur und der Anzahl der Tage. Braucht ein Ei z.B. 350 Tagesgrade, so sind diese bei einer Wassertemperatur von 10 Grad C in 35 Tagen erreicht, bei 8 Grad C brauchen die Eier ca. 44 Tage.

Dottersack
Nahrungsvorrat, den der Jungfisch beim Schlüpfen aus dem Ei bei sich trägt. Er wird in einigen Tagen aufgebraucht. Erst dann wühlt sich der Jungfisch aus dem Kies frei und schwimmt selbsttätig.

Kategorien: Gewässerpflege, Lexikon