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Zum Angeln in die Mongolei!

24. Januar 2015

Die Mongolei ist von ihrer Fläche einer der größten Binnenstaaten der Welt mit einer Bevölkerung von nur ca. 3.2 Mio. Sie liegt in der Mitte Asiens und hat ein ausgeprägtes Festlandsklima mit starken Temperaturunterschieden innerhalb eines Tages. Für die meisten Menschen ist die Vorstellung von der Mongolei geprägt von Steppe und Wüste. Besonders im Norden, an der Grenze zu Russland, gibt es aber auch Taiga und Gebirgsregionen. Hier findet man die Flüsse, in denen beeindruckende Fische leben. Diese Flüsse sind für die mongolischen Nomaden Viehtränken und kaum Hindernisse bei ihren Wanderungen. Die meisten Nomaden können jedoch nicht schwimmen und würden nur äußerst ungern in ein Boot einsteigen. Der zunehmende Tourismus ist für die noch wirtschaftsschwache Mongolei von Bedeutung und der Angeltourismus rückt auch die Flüsse weiter in den Mittelpunkt des Interesses.

Parallel dazu entwickelt sich ein Tourismus zu den Tsatan (Tsatan – Trecking). Dabei handelt es sich um eine kleine Ethnie von Rentierzüchtern, die zur Stalinzeit aus Russland in die Mongolei geflüchtet sind. Sie bilden im äußersten Norden eine Mini-Population, die an die Lappen (Samen) in Nordskandinavien erinnert. So leben sie in Lappenzelten (Koten) und benutzen keine Jurten, wie die mongolischen Nomaden. Ihr Lebensbereich, in dem sie mit ihren Rentieren auch kurze, jahreszeitlich abhängige Wanderungen unternehmen (Winterlager, Sommerlager) liegt in der Nähe des Hovskol-Sees, der auch kleiner Baikal genannt wird (Der Baikalsee liegt nordöstlich in Russland, nicht weit entfernt).

Hier, in der Darhad-Ebene, entspringt der Shishked-Gol mit seinen Nebenflüssen und bildet einen der Quellflüsse des Jenissei. Typisch für die Flüsse in diesem Bereich mit geringem Gefälle ist eine starke Mäandrierung mit sandigen Steilufern, die viele Meter hoch sein können. In diesen ruhig und gleichmäßig fließenden Flüssen lebt ein Großsalmonide, der die Angler der Welt fasziniert und sie in die Mongolei lockt. Der sibirische Taimen entspricht dem Huchen, wie er bei uns im Einzugsbereich der Donau vorkommt. Er kann bis weit über 1 m lang werden und an die 20 kg Gewicht erreichen. In der ganzen Mongolei sind die Taimen gesetzlich geschützt und dürfen beangelt, aber nicht entnommen werden. Beim Erwerb der Generallizenz für das Angeln in allen mongolischen Flüssen erhält man einen Flyer, in dem demonstriert wird, wie ein gefangener Taimen zum Fotografieren gehalten werden muss. Diese Bestimmungen hängen vielleicht auch mit der vorherrschenden Religion zusammen. Auf jeden Fall will man aber vom Angeltourismus profitieren, ohne die Taimen-Bestände zu gefährden.

Über die „Faszination Taimen“ hinaus, sollte nicht übersehen werden, dass die mongolischen Flüsse noch andere, äußerst interessante Fische bieten. Bis in die Oberläufe der Flüsse hinauf und in den Gebirgstälern gibt es die Gelbschwanzäsche (thymallus svetovidovi), die erst vor wenigen Jahren eingehender erforscht und nach dem russischen Äschenforscher Svetovidov benannt wurde. Bisher ungeklärt ist, warum es diese Äschen nur hier gibt und nicht auch weiter stromabwärts im Flusssystem Jenissei. Sie sind mit ihren goldglänzenden Schuppen im Schwanzbereich nicht nur unübersehbar schöne Fische, sondern bieten auch einen atemberaubenden Drill, der verglichen mit den uns bekannten Äschen in Skandinavien äußerst ungewöhnlich ist. Die äußere Erscheinung dieser Fische macht durchgehend einen gut genährten Eindruck. Sie beeindrucken weniger durch Länge, als durch Umfang und Gewicht. Besonders in der zweiten Hälfte der Saison sind diese Äschen mit genau den gleichen Trockenfliegen zu fangen, wie wir sie gewöhnlich zum Äschenfischen einsetzen. Früher im Jahr können größere Muster sinnvoll sein, die den vorkommenden terrestrischen Insekten entsprechen (Chernobyl-Fliege).

Nicht weniger fordernd ist das Fischen auf Lenoks (asiatische Forelle), die auch überall in den genannten Gewässern vorkommen. Es sind wunderschöne großwüchsige Forellen, die in der adulten Form offensichtlich überwiegend räuberisch leben; zumindest deuten ihre auffallend großen Augen darauf hin. Der Fang dieser Lenoks ist mit entsprechenden Streamern unschwer möglich, wenn ihre Standplätze im Grenzbereich von strömendem Wasser und ruhigen Gewässerabschnitten ausgemacht werden können. Nicht auszuschließen ist, dass Lenoks auch zeitweilig Insekten von der Wasseroberfläche nehmen.

Die traumhafte Fischerei auf Lenoks und Gelbschwanzäschen in mongolischen Flüssen ist möglich, weil der Befischungsdruck noch vergleichsweise gering ist. Besonders in den Oberläufen der Flüsse trifft man auf paradiesische Verhältnisse, weil bis hierher nur sehr wenige gelangen. Man hat inzwischen die Möglichkeit sich in zwei Lodges einzuquartieren, die sich etwa an der Stelle befinden, wo der Tengis-Gol in den Shishked-Gol einmündet. In den von hier erreichbaren Abschnitten der Flüsse, auch mit Motorbooten, wird vergleichsweise viel gefischt und die Fischerei ist gut, aber nicht so phantastisch wie im Oberlauf. Dafür ist der Aufenthalt in der Lodge deutlich komfortabler als bei einem Wildnistrip mit Pferden, Zelt und Boot.

Wie kommt der Angeltourist nun ins Anglerparadies?

Ich war schon 2009 in der Mongolei und bin in diesem Jahr (2014) von Frankfurt mit MIAT (Mongolian Airways) im Direktflug nach Ulan-Bator gekommen. Dort habe ich meinen österreichischen Guide getroffen und am gleichen Tag sind wir noch weiter geflogen nach Mörön. Eine Übernachtung im Ger-Camp (Jurten-Hotel) war dann erforderlich, so dass wir am nächsten Tag den Black Market (empfehlenswert) besuchen und Ausrüstung und Verpflegung vervollständigen konnten. Von Mörön hat uns Ayjur mit seinem Geländefahrzeug (Toyota Landcruiser) in ca. 8 Std. in die Gegend von Tsaganuur (weißer See) gebracht. Diese Fahrt auf unbefestigten Pisten, die nur aus Radspuren im Gelände bestehen, durch Bäche, Flüsse, Morast und Steinwüsten, kann man nur nachvollziehen, wenn man sie schon einmal gemacht hat. Anschnallen ist nicht üblich, obwohl man ständig hin und her geschleudert wird. Die Landschaft ist wunderschön und beeindruckend. Zeitweise geht es durch beschauliche Täler mit kleinen Wildbächen, dann wieder über steppenartige Ebenen und zwischendurch über einen Gebirgspass. Schließlich erreichten wir Ogis Camp am Hugin-Gol in der Nähe von Tsaganuur.

Unser Plan ist, den Shishked herunter zu fahren mit einem aufblasbaren Gummi-Kanadier der Fa. Grabner. Weil wir viel Fischen wollen, haben wir uns 7 Tage Zeit genommen für diese Strecke. Dann soll uns der Pferde-Guide mit 6 Pferden an der Einmündung des Jams-Gol treffen. Die Rückkehr zum Camp per Pferd nimmt 5 Tage in Anspruch. Das ist dann ein sehr anspruchsvoller Ritt der u. a. über einen 2500 m – hohen Pass geht.

Die Genehmigung der Grenzpolizei in Tsaganuur ist normalerweise eine Routineangelegenheit. In diesem Jahr erklärt man uns jedoch, dass diese Tour nicht möglich ist, weil die Grenzregion zu Russland gesperrt wurde. Es handele sich dabei um eine verbindliche Anordnung der Regierung, der Folge zu leisten ist. Von Norden aus der russischen Republik Tuwa dringen Wilderer, Wildfischer und illegale Goldwäscher über die Grenze, mit denen es schon zu ernsten Problemen gekommen ist. Nach längerer Diskussion mit Dolmetscher musste ich erkennen, dass es keine Möglichkeit gibt, dieses Verbot zu umgehen. Man drohte uns zwei Wochen Gefängnis an, wenn wir ohne Genehmigung versuchen sollten den Shishked zu befahren. Als Kompromiss und quasi als einzige Ausweichmöglichkeit bot man uns die Tengis-Tour an, die wir 2009 schon gemacht hatten.

Im Abstand von 5 Jahren kann man so eine Tour ohne weiteres noch einmal machen und wir fanden uns zwangsläufig damit ab. Für diese Tour brauchten wir einen 2-tägigen Ritt an den oberen Tengis und 4 Tage Kanufahrt den Fluss herunter bis zur Mündung in den Shishked.

Wir starteten an der Pontonbrücke über den Shishked, wo vor 5 Jahren noch eine primitive Fähre war. Unser Pferde-Guide erwartete uns dort; er wusste, dass ich kaum Erfahrung bzw. Praxis im Reiten habe und gab mir ein sehr ruhiges, handzahmes Pferd. Mein österreichischer Mitreisender hatte weniger Glück mit einem sehr nervösen Pferd, dass ihn sofort abwarf, als er etwas ungeschickt versuchte seine Sonnenbrille aus dem Rucksack zu holen. Der Bluterguss und die Schürfwunden am Bein waren nicht so schlimm, dass wir die Tour hätten abbrechen müssen.

Wir benötigten eine Übernachtung auf der mit Pferden zu bewältigenden Strecke, wo wir uns etwa auf 1800 m Höhe befanden. Am frühen Morgen war es bitter kalt und alles war mit Eis überzogen. Etwa um 09:00 Uhr war die Sonne dann so warm, dass alles getaut und erwärmt war. Später am Tag wurden dann bei Dauer-Sonnenschein Temperaturen an die 30°C erreicht. Dieser Temperaturverlauf hat sich dann täglich wiederholt.

Gegen Mittag sahen wir am Rande des gerade durchrittenen Tals ein einzelnes Tsatan-Zelt mit einigen Rentieren davor. Wir machten eine Rast und einen kurzen Besuch bei einem jungen Tsatan-Paar. Im Zelt war es noch wärmer als draußen, weil der Ofen zur Bereitung des Mittagessens in Betrieb war. Der heiße Tee, den sie uns anboten, war trotzdem willkommen. Handgearbeitete Souvenirs, wie sie üblicherweise den Touristen angeboten werden, hatten diese Tsatan jedoch nicht dabei. Die junge Frau sprach ein auffallend gutes Englisch und erklärte auf unsere Nachfrage, dass sie sich zwei Jahre in den USA aufgehalten hat. Die Tsatan unterscheiden sich von den samischen Rentierzüchtern dadurch, dass sie auch Pferde halten und benutzen.

Der zweite Tag auf dem Pferderücken war für mich sehr anstrengend und hat nachhaltige Wirkungen auf meiner Sitzfläche hinterlassen. Wir konnten den Guide dazu überreden uns ein gutes Stück weiter nördlich den Tengis hinauf zu bringen, als eigentlich genehmigt war. Als er uns dann abgesetzt hatte, an der gleichen Stelle, an der wir 2009 die Flussfahrt begonnen haben, war er blitzartig mit seinen Pferden wieder verschwunden. Am Morgen, nach der Übernachtung am Fluss, habe ich sofort mit einer kleinen grauen Eintagsfliegenimitation mehrere Äschen gefangen, genau so, wie 2009 auch.

Es war deutlich zu erkennen, dass der Fluss vergleichsweise wenig Wasser führte. Da der Fluss viele Schnellen hat und mit vielen großen Steinen stark verblockt ist, musste das Befahren mit Kanadier bei Niedrigwasser als schwierig bzw. gefährlich eingeschätzt werden. Wir sind meist nur kurze Strecken gefahren um dann anzuhalten und zu fischen. Zu Beginn der Tour haben wir die Äschen und Lenoks allesamt zurückgesetzt. Erst zum Ende der Tour, als die Verpflegung knapp wurde, haben wir direkt an unserem Lagerplatz am Fluss Äschen für unser Abendessen gefangen.

Dass wir dann tatsächlich übel gekentert sind mit unserem Boot, wobei ich Teile meiner Fischereiausrüstung verloren habe, lag nicht nur an der ungünstigen Wasserführung, sondern auch daran, dass das Boot überladen war und daher nicht so leicht steuerbar, wie es erforderlich gewesen wäre. Glücklicherweise konnte ich das kieloben treibende Boot nach dem Kentern gerade noch greifen und mich davon die Schnelle hinunterziehen lassen. Unterhalb konnte ich dann das Boot ans Ufer bringen. Das Trocknen der nassen Sachen war dann bei dem warmen Wetter kein Problem.

Nach zwei Tagen trafen wir einen berittenen Grenzpolizisten, der uns vom Ostufer aus anrief. Er bezeichnete uns, dass die Strecke, auf der wir gerade fuhren, gesperrt war. Nach längerem Prüfen unserer Papiere und zwei bis drei Glas Wodka, sowie dem Austausch von Schnupftabak (mongolische Zeremonie) und Geschenken, waren wir gute Freunde und durften ihn sogar fotografieren. Er hatte uns offenbar schon vorher beobachtet und dabei gesehen, wie ich einen Lenok wieder zurückgesetzt habe. Ich verstand ihn so, dass er das Zurücksetzen nicht für erforderlich hielt und mir bedeutete, dass es noch größere Fische im Fluss gibt.

Als am Ende der Tour Ogi mit seinem Uaz (russisches hochbeiniges Geländefahrzeug) tatsächlich pünktlich am vereinbarten Treffpunkt am Ufer stand, war ich doch überrascht. So ist unsere Tengis-Tour dann doch noch einigermaßen glücklich zu Ende gegangen. In der restlichen Zeit haben wir vom Camp aus Tagesausflüge zum oberen Hugin-Gol, zum oberen Shishked-Gol und zum Sharg-Gol unternommen. Einen Taimen zu erwischen, habe ich nur einen Tag erfolglos versucht und diese Fischerei dann als relativ langweilig empfunden. Die Fischerei auf Äschen und Lenoks war dagegen entschieden kurzweiliger. Noch am letzten Tag vor meiner Abreise war ich mit Ogi und seinem kleinen prima Sohn am Hugin-Gol und habe einen Lenok von 70 cm gefangen, den ich vorher beim Rauben im Fluss beobachtet hatte. Lenoks hatte ich eigentlich allesamt zurückgesetzt und hätte das auch mit diesem gemacht, wenn Ogi mir nicht zugerufen hätte: „Lunch!“

Dietmar Trümper, 14.09.2014

Kategorien: Fangberichte, Fliegenfischen