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Casting mit dem Weltmeister

27. Oktober 2007

Artikel aus der Tageszeitung “Blickpunkt”
Mit Angelschnuren kann man nicht nur Fische fangen, man kann auch Meisterschaften gewinnen. Vielleicht gelingt das einem jungen Ahrensburger.

Wenn Teenager vom Casting reden, dann meinen sie meistens Fernseh-Shows, in denen sich Mädchen, die nicht singen können, von Dieter Bohlen beschimpfen lassen. Casting ist aber auch die Bezeichnung für einen Sport – und zwar für einen der mit der Glitzerwelt der Fernsehkameras ziemlich wenig am Hut hat. In Großensee trainieren jugendliche das Schwingen und Zielen mit der Angelschnur. Einige haben darin schon beachtliche Erfolge bei den Deutschen Meisterschaften erzielt. Philipp Braaker aus Ahrensburg hat zwar noch keinen Wettbewerb bestritten, Ex-Weltmeister Peter Schäfer sieht in ihm aber ein großes Talent.

Der Fliegenfischer auf dem Rasen
Wenn Angelsportler ihre Meister suchen, bleiben sie an Land. Das Ahrensburger Nachwuchstalent Philipp Braaker zieht allerdings das echte Angeln dem Training manchmal vor.

So richtig begeistert wirkt Peter Schäfer, Angel-Weltmeister von 1962, nicht als er erfährt, warum sich das Nachwuchstalent, das er heute dem Besucher von der Zeitung vorstellen will, sich verspätet. “Philipp ist noch auf dem See und angelt”, sagt Hans-Jürgen Sobottka, der Sportwart in der Sportangler-Vereinigung Hamburg(SAV). Damals in Rotterdam, als er Weltmeister wurde, da hat Peter Schäfer seine Zeit nicht mit Fische fangen vergeudet. “Das gab´s nicht, da hatte ich gar keine Zeit zu.”
Angeln als sportlicher Wettkampf kommt ohne Wasser aus und Fische gibt es schon gar nicht. Zum Casting-so heißt der Sport-braucht man eine Zielscheibe wie beim Bogenschießen, nur mit dem Unterschied, dass sie nicht senkrecht steht, sondern auf dem Rasen liegt. Die Jugendgruppe des SAV trainiert auf dem Fußballplatz des SSV Großensee.
Philipp Braaker aus Ahrensburg ist dort regelmäßig dabei. Eigentlich sagt der 14-Jährige würde er gern richtig Fliegenfischen, so wie er es im Urlaub in Norwegen gesehen hat. “Aber das gibt es hier ja nicht”. So hat sich Philipp denn auch von Anfang an nicht groß darum geschert, welche Technik die Trainer ihm für das Ziel-Casting nahe bringen wollten. Er schwingt die Rute wie die Fliegenfischer. Sobottka nennt es einen “sehr amerikanischen Stil”. Nach ausladenden Kreisbewegungen schleudert Philipp die Schnur weit durch die Luft.
Zum Glück gibt es im Angelsport nicht nur die Disziplin Präzisions Casting sondern auch das Weit-Casting. Und Darin ist Philipp meinen Sobottka und auch Ex-Weltmeister Schäfer, ein Naturtalent. Sie planen für die nächsten deutschen Meisterschaften schon fest mit ihm. Philipp selbst dagegen sagt: “ich bin noch nicht so ganz überzeugt.”
Bisher hat er noch an keinem Wettkampf teilgenommen. Und Peter Schäfer findet, der Junge müsse mehr trainieren, wenn aus ihm ein ganz großer werden soll.
“Zwei Stunden in der Woche, wie es jetzt ist reicht nicht.” Schäfer selbst hat zu seiner aktiven Zeit 20 bis 30 Stunden mit dem Casting zugebracht. Aber sich so reinzuhängen, das kann Philipp sich nicht vorstellen. “Ich hab ja auch noch Schule, Konfirmandenunterricht und meinen anderen Sport.” Fechten. Und hin und wieder fährt Philipp auch gern mit dem Boot raus auf den See zum Fisch fangen.

Kategorien: Casting