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Ein seltener und kapitaler von der roten Liste

26. November 2011

Gegen 15:30 Uhr traf ich am 17.10.11 bei wolkigem und windigem Wetter am Holzsee ein. Voller Tatendrang und ungeduldig verlud ich mein gesamtes Karpfengeschirr auf eins der Ruderboote.

Schnellstens zum Holzseeheim gerudert und meinen Vereinskameraden Jürgen Voigt begrüßt, der schon seit Sonntag angelte und mit dem ich von Montag auf Dienstag, eine Nacht fischen wollte.

Nach dem ich dieses mal ohne vorzufüttern angelte, baute ich wie üblich mein Rod-Pod sowie die Montagen auf. Jetzt war es an der Zeit die Montagen samt Boilies zum anfüttern an die bekannten Stellen zu rudern.

Montagen über Bord und einige Boilies die zusätzlich 24 Stunden amino-gedippt waren hinterher. Ruten auf Spannung gebracht, die Baitrunner auf Freilauf gestellt, Carpsounder Swinger für Fallbisse eingehängt und die Bissanzeiger wie immer scharf gemacht.

Gegen 17:30 Uhr konnte ich das restliche Gerödel aus Schlafsäcken und Essen sowie Rutenfutteral und Angeltasche ins Holzseeheim verfrachten. Den Funkreceiver aktiviert, sodass wir auch im Wintergarten sofort jeden Biss erkannten.
Gegen 18:00 Uhr aßen Jürgen und ich Abendbrot.
Nach weiteren 4 Stunden in denen nichts passierte legten wir uns ins große Gemeinschafts-Zimmer im ersten Stock zum schlafen.

Gegen 02:00 Uhr wurden wir mit einem mittlerweile bekannten Dauerpiiiiieeep-Ton geweckt. Raus aus dem Schlafsack und in 45 Sekunden an der Rute, der Druck auf die Schnur sagte mir, ein guter aber kein kapitaler!! Nach ca. 10 Minuten Drill, mit üblich hart eingestellter Bremse und einigen erfolglosen Bemühungen unter den Steg zu flüchten, konnte Jürgen einen sehr dunklen Spiegelkarpfen von 12 Pfd. bei 63 cm Länge landen.

Gegen 03:00 Uhr übermannte uns der Schlaf. Allerdings nur bis 08:00 Uhr, dann trieb uns der Hunger aus dem Bett.
Nachdem wir ausgiebig gefrühstückt hatten, begaben wir uns an den Steg um nach dem Rechten zu schauen und noch etwas zu fachsimpeln.

Da pfiff meine rechte Rute wieder los „Dauerpiiiieeep-Ton“ und die Bremse der Freilaufrolle sang wie verrückt, sicher wieder ein Großer, nach einem spektakulären Drill von knapp 20 Minuten, in dem der Karpfen zweimal ca. 50-60 Meter Schnur von meiner Rolle nahm, konnten wir einen 17 pfündigen und 84 cm langen, wie wir zuerst dachten Schuppenkarpfen, sicher landen. Jürgen hat den Fisch extra vom Boot aus gekeschert, damit Fluchten unter den Steg ausblieben.
Dieser Fisch kämpfte ähnlich ausdauernd wie zuletzt mein 17 pfündiger Spiegelkarpfen im September.
Beim versorgen des Fisches und dem späteren betrachten der digitalen Bilder wurde uns dann immer klarer, das es sich um einen kapitalen Wildkarpfen handeln musste, mein bisher einziger Wildkarpfen und dann gleich solch ein kapitaler.
Im folgenden habe ich einiges Wissenswerte über diese seltenen und auf der roten Liste befindlichen Fische zu Papier gebracht

Allen Vereinskameraden oft krumme Ruten und tolle Fänge.
Joachim Jung

Der Wildkarpfen ist die Urform aller Karpfenarten. Er hat einen flachen spindelförmigen Rücken und seine Schuppen sind unregelmäßig auf seinem Körper angeordnet. Sein Körperbau ähnelt eher der einer Barbe. Aus seiner Art wurden alle uns heute bekannten Karpfenarten gezüchtet. Er gehört zu den Karpfenartigen Fischen, den Cypriniden. Cypriniden haben keine Bezahnung und keine Fettflosse. Er ist auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten.

Merkmale:
Er besitzt eine große Rückenflosse, eine schwach gegabelte, runde Schwanzflosse und insgesamt 4 Barteln, 2 kurze oben und 2 längere unten.

Sein Maul ähnelt einem Rüssel, der vorgestülpt ist.
Von der Kopfform ähnlich einer Barbe, mit einem verhältnismäßig großem Kopf und großen Augen. Der Wildkarpfen ist ein Friedfisch, der ausschließlich im Süßwasser vorkommt. Er ist ein kraftvoller Fisch der geschickt weiss, sein Gewicht und seine Form bei einem Drill ein zusetzten.

Berichten zufolge wurden Wildkarpfen mit einem Gewicht von 30 Pfund gefangen, dies ist aber nicht bestätigt, es könnte sich eher um einen länglichen Schuppenkarpfen handeln, normalerweise werden Wildkarpfen sehr selten schwerer als 6 kg. Der Wildkarpfen weist einen höheren Hämoglobin-, Zucker-, und Vitamin A-Spiegel im Blut auf. Auch besitzt er ca. 20% mehr rote Blutkörperchen in seinem Blutkreislauf. Daher ist er resistenter gegen Krankheiten als Schuppen- oder Spiegelkarpfen. Der Hauptunterschied zu den anderen Zuchtformen ist das Schuppenmuster und der große Kopf mit den verhältnismäßig großen Augen.

Vorkommen:
Er kommt in immer weniger Gewässern vor, da er von den neuen Zuchtformen verdrängt wird. Umso schöner, dass es mehrere Gewässer des SAV mit Wildkarpfenbestand gibt.

Kategorien: Fangberichte, Holzsee